HALSWIRBELSCHMERZEN
Halswirbelschmerz,
Schmerz / Schmerzen im Halswirbelbereich, in der
Halswirbelregion
Der Begriff "Halswirbelschmerzen" ist eine gebräuchliche Abkürzung für Halswi rbelsäu lenschmerzen.
Zusammenfassung für den eiligen
Website-Besucher
Gegen einen Schmerz im Halswirbelbereich
werden üblicherweise
Schmerzmittel
sowie physiotherapeutische Maßnahmen (z.B. Fango, Massagen, Krankengymnastik)
verordnet. Wenn der Halswirbelschmerz dennoch länger anhält, sind
Methoden der speziellen
Schmerztherapie
gefragt, insbesondere die sog.
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel).
Diese Behandlung setzt jedoch
sehr große Erfahrungen voraus, wie sie aber leider nur in ganz wenigen,
speziellen Zentren vorhanden sind, so z.B. im B
ad Me rgen
theim.
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Behandlungsmethoden.
Wie entstehen Halswirbelschmerzen überwiegend?
Bei akuten (= plötzlich einsetzenden, heftigen) Halswirbelschmerzen überwiegen als Schmerz ursache myofasziale (= Muskeln und deren bindegewebige Hülle betreffende) Störungen, meist hervorgerufen durch Verletzungen von Muskel - und Bandstrukturen. Chronische Halswirbelschmerzen hingegen sind hauptsächlich Folge von Irritationen / Störungen der Bandscheiben oder Zwischenwirbel gelenke.
Spezielle
Ursachen für Schmerzen
im Halswirbelbereich:
Degenerative Veränderungen
(= durch Abnutzung hervorgerufen)
-
Bandscheibenschäden (Bandscheibenvorwölbung,
Bandscheibenvorfall)
- ligamentäre Insuffizienz (=
Funktionsstörung von Haltebändern)
- Störung der gelenkigen
Wirbelverbindungen
- knöcherne Veränderungen
(Randzacken, Knochenwulste usw.)
Mißbildungen
-
angeborene (z.B. Spina bifida, Blockwirbel, Keilwirbel)
-
Wachstumsstörung (z.B.
Skoliose,
Morbus Scheuermann)
Entzündliche Erkrankungen
-
Rheumatischer Formenkreis (z.B.
Polymyalgia,
Morbus Bechterew)
-
Infektionserkrankungen (Spondylitis z.B. durch Tbc,
Staphylokokken)
Generalisierte Skeletterkrankungen
-
(z.B. Osteoporose,
Osteomalazie)
Tumoren
der Wir belsäule
-
Primärtumoren (hauptsächlich Plasmozytom)
-
Metastasen
Traumen (= Verletzungen)
((z.B. Frakturen,
Schleudertrauma
(Beschleunigungstrauma,
Peitschenschlagsyndrom))
Defekte, nicht verletzungsbedingte (z.B.
Spondylolyse,
Spondylolisthesis)
Als
HW
S-Syndrom
bezeichnet man Schmerzen bzw. Beschwerden, die von der Hal
s
wirbelsäule
ausgehen oder den
Halswirbelbereich bzw. die Halswirbelregion betreffen. Das
Zervikobrachialsynd
rom (Zervi kobrachialgie)
hingegen
ist ein Sammelbegriff für Störungen verschiedenster Ursachen im Bereich des
Halses, des
Schulter
gürtels und der
Arme
(siehe unten).
Die mit Abstand häufigste Ursache für Halswirbelschmerzen sind Störungen im Bereich der gelenkigen
Wirbelverbindungen, die sog. "Wir belblockierungen". In der Regel klagen die
Patienten über
Nackenschmerzen, die in die
Schulter
n, manchmal bis in die
Arme
und/oder auch in den
Hinterkopf
(z.T. bis zur
Stirn) ausstrahlen können. Meist
ist die
Muskulatur
neben der
Wirbelsäule verhärtet, häufig verbunden mit einer
schmerz
haft eingeschränkten Kopfbeweglichkeit. Vielfach besteht auch
Klopfsch
merzhaftigkeit über den Dornfortsätzen der Hals
wirbelsäule.
Bandscheibenvorfälle
betreffen hauptsächlich die
Lendenwirbelsäule, viel seltener den
Halswirbelbereich.
Zum
Ausschluß eines die
Nervenwurzel
n betreffendes Krankheitsgeschehens (radikuläre
Synd
rome), bedarf es immer einer fachlichen Abklärung (Neurologie,
Radiologie).
Heftigste
Schmerz
zustände mit
Muskel
hartspann und dadurch
erzwungener Fehlhaltung (Schiefhals) werden als „akuter
Tortikollis“
bezeichnet.
In Abhängigkeit von der Höhe der Störung unterscheidet man einen Schmerz in der Halswirbelregion bzw. das HW S-Syn drom in:
Oberes
HW
S-Syn
drom:
Die typischen
Krankheitszeichen sind in der Literatur unterschiedlich dargestellt
(Kügelgen
et Hillemacher 1989, Kocher et al. 1980, Dahmen et al. 1985). Gemeinsames Merkmal sind Sch
merzen
im
Halswirbelbereich mit
Ausstrahlung nach oben in den
Kopf, da sich die
Störungen überwiegend auf die
Nervenwurzel
des 2. Halswirbels konzentrieren. Die
Sch
merz
einstrahlung in den
Hinterkopf, teilweise auch bis
vor zur Stirnregion
ziehend, führt häufig zur Diagnose eines
zervikogene
n oder
vertebragene
n
(=
wirbelsäule
nbedingten)
Kopfsch
merz
es.
Inwieweit die
halswirbelsspezifische "Unkovertebralarthrose"
(= Erkrankung des „Halbgelenks“ zwischen zwei
Wirbelkörpern) über eine Einengung
der Wirbelsäulenschlagader (A. vertebralis) im Foramen intervertebrale
(= Zwischenwirbelloch)
ein zervi
ko-k
ephales (= Hals und
Kopf betreffendes) Krankheitsbild
verursachen kann, ist noch nicht endgültig geklärt.
Mittleres
Syn
drom der
HW
S:
Typische
Sch
merzen
treten im Bereich der Halswirbel 3, 4, 5 auf und strahlen in die
Schulter
blätter, auch bis über die
Schulter aus.
Beim radikulären Synd
rom
(= Krankheitszeichen infolge einer
Nervenstörung,
Nervenschädigung) treten
Störungen der Nervenfunktion
in Form von herabgesetzter Empfindung und/oder Lähmungen von
Schulter
blatt
muskeln (z.B. M. levator scapulae) auf.
Ganz selten
kommt es auch zu Zwerchfellähmung (Thoden 1987).
Beim
radikulären Synd
rom
der
Nerven
wurzel des 5. Halswirbels ist der M. biceps
brachii (= 2köpfiger
Oberarm
muskel)
betroffen.
Unteres
Syn
drom der
HW
S:
Da die
Nervenwurzel
n des 6. bis 8. Halswirbels und des 1.
Brust
wirbels betroffen sind, können
Halswirbelschmerzen in den in den
Schulter /
Arm
bereich bis in den Klein
finger ausstrahlen.
Meist wird dieser Schmerz
zustand
mit „Zervikobrachialgie" (siehe oben) bezeichnet, obwohl streng genommen
das Zervikobrachialsynd
rom mit einer radikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen infolge einer
Nervenschädigung,
-störung)
einhergeht (Debrunner 1988). Die
pseudorad
ikuläre
(= auf einen scheinbaren
Nervenschäden zurückzuführende)
Ausstrahlung in die
Arme
fällt noch unter den Begriff "Zervikalsynd
rom".
Bei Störung der
Nerven
wurzel des 1. Brustwirbels kann sich ein Horner-Synd
rom
(= Augenlidsenkung, Verengung der
Pupille, Zurücksinken des Augapfels)
ausbilden (Thoden 1987).
Medikamentöse
Schmerztherapie:
Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend)
können
zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(=
Schmerzmitte
l, die am Ort der
Schmerz
entstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(=
Rheuma
mittel),
aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B.
Mobec®.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren sch
merzhaften
Muskel
verspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B.
Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Manchmal ist aber auch ein Halswirbelschmerz
nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®)
(= im Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerz
mittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei Halswirbelschmerzen
eine
längerfristige Schmerz
mittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit
schmerzdistanzierenden
Antidepressiva (= Mittel gegen
Depression, u.a. aber auch bei chronischen
Schmerzen wirksam)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen
Sch
merzmittel
einzusparen.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel):
Bei anhaltenden Halswirbelschmerzen sollten
rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame
Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die
therapeutische
Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und
Nervenblockade
n.
Infiltrative Lokalanästhesie:
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die Wirbelsäule angrenzenden Muskulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus.
Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in der Muskulatur) nach vorheriger Identifizierung derselben.
Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nervenblockaden bei Halswirbelsch merzen (chronische):
Gegen Sch merz ausstrahlungen in den Hinterkopf wirken wiederholte Betäubungen der Nn. occipitales (= Ner ven am Hinterkopf). Bei einseitiger Dominanz auch kontinuierlich mittels Katheter* möglich.
Sch
merzausstrahlungen in
Schulter /
Arm, wie sie beim unteren
HW
S-Synd
rom
bzw. bei der
Zervikobrachialgie
in typischer Weise vorkommen, sprechen zufriedenstellend auf die wiederholte
hohe Blockade des Plexus brachialis
(=
Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich)
nach Winnie an. Technisch risikoärmer und oft besser wirksam
ist jedoch die kontinuierliche, retrograd hohe
Plexus
brachialis-Blockade mit Katheter (*siehe unten).
Zur
Schmerzbehandlung
kann auch die interskalenäre
(= zwischen
Muske
ln im seitlichen, unteren Halsbereich)
Blockade
des Plexus brachialis (auch
kontinuierlich
mit Katheter) durchgeführt werden, allerdings ist diese Methode mit
einem etwas größeren Risiko behaftet.
Physikalische Therapie:
Auch die Elektrostimulation kann bei bei Halswirbelschmerzen eine Beschwerdelinderung herbeiführen.
Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst
behandeln können. Die Elektroden werden paarig im Halswirbelbereich
aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße
kann die Wirkung optimiert werden. Auch eine sog.
Hochtontherapie
kann sehr hilfreich sein.
Eine weitere physikalische
Behandlungsmöglichkeit die oberflächliche
Kältetherapie in der Halswirbelregion. Wir verwenden einen elektrischen
Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten empfinden allerdings
lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder
können ebenfalls einen
Halswirbelschmerz lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei
Halswirbelschmerzen
nicht sinnvoll. Für den Patient
mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter sch
merztherapeutischem
Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar
hingegen ist
die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet
ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu
stabilisieren. Dabei gilt es, die
Muskeln
der Halswirbelregion zu
trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente
Muskulatur eine statische
und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann.
Besonders bei akuten
Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie) durchaus gute
Erfolge aufzuweisen.
Bei sch
merzhaften degenerativen
(= durch Abnützung hervorgerufenen)
Veränderungen der
Wirbelsäule
wird auch eine Röntgenbestrahlung
(Thomalske 1991) und die
Magnetfeldtherapie
(pulsierende
Signaltherapie)
empfohlen.
Andere Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur zur Behandlung chronische
r Schmerzen nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig
sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von
übermäßigen Wi
rbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie). Darüber hinaus
ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Mus kulatur erlernen.
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. Schanzsche
Krawatte sollten dem Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde)
Verfahren wie autogenes Training oder
progressive Relaxation nach Jakobson sind bei HW
S-Sch
merzen eine sinnvolle
Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung
führen, ebenso Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Psychotherapeutische Interventionen
können bei ausgeprägten "psychosomatischen Sch
merzen" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Sch
merzen verstärken können.
Erläuterungen:
*
Bei der sog.
kontinuierlichen Blockade mit
Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den
betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine
handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In
der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der
vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig sch
merzlos
nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen
Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe
angeschlossen werden. Das
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel) wird bei dieser Behandlung
so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der
Sch
merzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen
möglich bleiben.
Dass
die sch
merzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit
hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, dass bei dieser Blockadebehandlung auch
die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche
Durchblutungssteigerung resultiert
(Sympathikolyse). Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode
besonders bei Sch
merzen, die durch entzündliche,
oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse
entstanden sind, hilfreich ist. Eine
gute Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder
geschädigten Nervs. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive,
längerfristige Blockadebehandlung auch das sog.
Sch
merz
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Aktualisiert: k u 28.03.2006
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